Congregatio Jesu
Aktuelles >> CJ Nachrichten

CJ-Nachrichten




Drucken
Donnerstag, den 02. Februar 2012 um 07:23 Uhr

Alles zu Gottes Zeit

Maria-Ward-Gottesdienst in der Institutskirche in Bamberg

Bamberg. Seit 1995 lädt die Congregatio Jesu in Bamberg alljährlich am 30. Januar, dem Todestag der Ordensgründerin Mary Ward, zu einem Wortgottesdienst ein. In diesem Jahr hatte er das Thema „In Gottes Tempo“.
Dabei stand das Wort Mary Wards von der wahren Größe des Geistes, im Mittelpunkt, „die bewirkt, dass alles vollständig in Gottes Zeit getan wird“.

Sr. Ursula Dirmeier beschrieb die Aufgabe, das eigene Tempo mit der Zeit Gottes zu „synchronisieren“, das heißt, nicht zu versäumen, wozu Gott uns in unserem Alltag anregen will, ihm aber auch nicht vorauszueilen. Ein Text von Teilhard de Chardin: „Über allem traue der langsamen Arbeit Gottes“, rundete den Gottesdienst ab, der durch Momente der Stille und leise Orgelmusik einen meditativen Charakter bekam.
Im Anschluss an das Gebet waren die zahlreichen Mitfeiernden zum Zusammensein bei Brot und Wein und „Maria-Ward-Pilgerstäben“ eingeladen.

 

Beim Maria-Ward-Gottesdienst 2012 in der Bamberger Institutskirche

 

 
Drucken
Montag, den 02. Januar 2012 um 08:15 Uhr

Bewegung und Lebendigkeit

Interview mit Sr. Mechtild Meckl, Generaloberin der Congregatio Jesu von 2002 bis 2011

Sie waren 18 Jahre im Generalat des Ordens in Rom, zunächst als Generalvikarin, dann neun Jahre als Generaloberin. Was haben Sie als Höhepunkte in Ihrer Zeit als Generaloberin erfahren?

Sr. Mechtild Meckl: Ein Höhepunkt war zweifellos das 400-jährige Jubiläum unserer Gründung. An der Auftaktveranstaltung im Oktober 2009 in Rom haben über 1000 Leute aus allen fünf Kontinenten teilgenommen. Diese Veranstaltung wurde von beiden Zweigen – den Loretos und uns – gestaltet. Dabei hatten wir eine Einstiegsphase an der Piazza del Populo, wo wir die Pilgergruppe aus Lüttich begrüßt haben. Das war auch für etliche Rombesucher sehr interessant, denn einige junge Schwestern waren in historischen Kostümen gekommen. Dann gab es ein Konzert mit Musik aus der Zeit Maria Wards, einen großen Gottesdienst, eine Papstaudienz im Rahmen einer Generalaudienz. Es war ein großes Fest, durch das Maria Ward und die Congregatio Jesu in der Öffentlichkeit wieder sehr präsent waren. Die hohe Beteiligung hat auch unter den Schwestern einen gewissen Enthusiasmus hervorgerufen: Die Congregatio Jesu lebt!

Ein anderer Höhepunkt war die Anerkennung Maria Wards als Venerabilis. Das ist nun ein Faktum, hinter das niemand zurück kann, auch die Kirche nicht.

 

Portraitfoto von Sr. Mechtild Meckl CJ


Sind Sie während dieser Zeit auch viel in die Provinzen gereist? Und welche Eindrücke haben Sie dabei gewonnen?

Sr. Mechtild Meckl: Das Reisen ist sicher einer der Schwerpunkte der Arbeit im Generalat. Darum wird man auch beneidet, weil man wirklich die Welt kennenlernt. Ich habe die Provinzen und die meisten Kommunitäten mindestens einmal, meist zweimal, manchmal auch öfter besucht und habe schon einen gewissen Eindruck von der Congregatio Jesu als Ganzes. Zusammenfassend kann ich sagen: Die Congregatio Jesu lebt. Da, wo Bewegung ist, wo Veränderung ist, da ist Leben.

In den letzten neun Jahren hat es viele Veränderungen im Orden gegeben, was die Struktur angeht. Da gab es die Zusammenlegung von acht früheren Provinzen zur Mitteleuropäischen Provinz. Zwar mussten hier Häuser geschlossen werden, aber wenn ich mir die Veränderung seither insgesamt anschaue, dann muss ich sagen, dass die Attraktivität der Congregatio Jesu durch den Zusammenschluss stark zugenommen hat. Hier ist Dynamik, hier ist Leben, es ist was los, es gibt auch wieder laufend Eintritte. Das ist eine Entwicklung gewesen: Mehrere Provinzen schließen sich zu einer zusammen.

Es hat aber auch auf dem indischen Subkontinent die umgekehrte Bewegung gegeben. In der Zeit, als ich Generalvikarin war, habe ich gesehen, dass die zwei indischen Provinzen einfach zu groß geworden waren. Allein durch die riesigen Entfernungen war gute Leitung nicht mehr möglich. So entwickelten sich in den letzten neun Jahren aus den zwei Provinzen fünf jeweils eigene Verwaltungseinheiten – Provinzen beziehungsweise Regionen: Nepal im eigenen Land, Allahabad, Delhi und Patna im Norden Indiens und nun noch die neue indische Südprovinz mit Sitz in Bangalore. Auch auf dem indischen Subkontinent tut sich also viel.

 

Bild zeigt eine Gruppe junger indischer Schwestern der Congregatio Jesu

 

In wieder anderen Provinzen haben wir Veränderungen in Form von Ausdehnungen. Die flächenmäßig kleine koreanische Provinz ist zu einer unserer mitgliederstärksten Provinzen herangewachsen und wirkt nun im Norden nach China und die Mongolei hinein.

Auch die junge, dynamische slowakische Provinz hat sich verändert. Weil in Tschechien kein Wachstum der Congregatio Jesu mehr zu verzeichnen war, fusionierten die frühere tschechische und die slowakische Provinz zu einer. Die neue slowakische Provinz strahlt nun in die Ukraine, nach Südrussland und nach Sibirien aus.

Auch in Kuba haben wir in den letzten neun Jahren neu angefangen. Gerade wird neben der bestehenden Kommunität in Rodas eine weitere Niederlassung gegründet. Wir sind aktuell in der Entscheidungsphase, aus drei möglichen Orten den geeignetsten auszuwählen. Das politische Klima in Kuba ist etwas offener geworden. Wir engagieren uns dort im pastoralen Bereich und auch in einigen sozialen Projekten. Die Schwestern arbeiten mit dem Pfarrer im Team oder sie betreuen auch kleinere Filialen der Pfarrei.

Haben Sie gute Kontakte in den Vatikan hinein aufbauen können – etwa zum Vorsitzenden der Kongregation für die Orden?

Sr. Mechtild Meckl: Kontakte zum Vatikan sind häufig und wichtig, auch wenn wir mit dem Vorsitzenden, dem Präfekten der Kongregation für die Orden faktisch keinen direkten Kontakt haben. Die Leiter der Kongregationen haben quasi einen Ministerrang, und überlassen das „operative Geschäft“ ihren fachkundigen Mitarbeitern. Wir haben also mehr mit den Monsignori zu tun, die auf dieser Ebene angesiedelt sind.

Wichtig für uns sind die Sektionen, die nach Sprachgruppen aufgeteilt sind. Ich habe vor allem den Kontakt zur deutschen Sektion gepflegt.
Die Assistentinnen haben den Kontakt zu den anderen Sprachsektionen gepflegt, so dass man von verschiedenen Seiten her zum Vatikan Zugang hatte. Das hat den Vorteil, dass die Mitarbeiter der Sprachsektionen sich in den jeweiligen Ländern auch auskennen und die Situation einschätzen können. Ich musste mich natürlich mit dem Vatikan besprechen, als es um Entscheidungen ging, in Kuba oder in China zu wirken, weil es sich um kritische Regionen handelt. Der Vatikan begleitet solche Vorhaben mit Interesse und kann auch dazu gut beraten.
Wichtig für uns war auch das Staatssekretariat im Vatikanstaat. Das ist vergleichbar mit dem deutschen Bundeskanzleramt, wo politische Entscheidungen getroffen werden. Wir kommen natürlich nicht mit seinem Leiter Kardinal Tarcisio Bertone zusammen, aber wir kennen dort einige Mitarbeiter, die uns gegenüber wohlwollend eingestellt sind und die auch bei uns im Generalat Gäste waren.

Wie sieht es eigentlich mit diesen Kontakten aus, wenn jetzt die ganze Ordensleitung neu  antritt? Geht da nicht viel wertvolles Wissen umeinander verloren?

Sr. Mechtild Meckl: Ich habe darüber schon mit Sr. Elisabeth Kampe gesprochen, die im Januar nach Rom geht. Sie wird sich vor Ort noch mit der bisherigen Generalsekretärin Sr. Gertrud Himmel, die noch für eine Übergangszeit in Rom bleiben wird, austauschen können. Dabei sind nicht nur die offiziellen Kontakte wichtig, sondern oft auch solche, die auf persönlichen Begegnungen und Freundschaften basieren. Ich denke hier zum Beispiel an einen Schweizer Gardisten, mit dem Sr. Gertrud Himmel befreundet ist und der uns schon viel geholfen hat.

Haben es Frauenorden im Vatikan eigentlich schwerer als Männerorden?

Sr. Mechtild Meckl: Frauenorden haben im Vatikan eine andere Stellung als Männerorden, weil die Besetzung der Positionen ganz klar maskulin ist. Die „Ministerposten“ gehen an die Männer, weil sie die Priester sind. Allerdings gibt es in letzter Zeit Versuche, auch Frauen Positionen mit Entscheidungskompetenz zu übertragen. Eine Frau wurde zur Sekretärin einer Kongregation ernannt. Darunter darf man sich im Vatikan keine Schreibkraft vorstellen, sondern bei den Sekretären laufen die Fäden zusammen, sie sind Personen mit Entscheidungskompetenz. Und allmählich werden auch mehr Frauen in die Kongregationen geholt. Das sind ganz positive Ansätze. Wir haben von den Loretos eine Schwester, die als Beraterin in die Ordenskongregation berufen wurde. Insofern haben wir nun einen leichteren Zugang dorthin. Aber insgesamt brauchen Frauen in der Kirche nach wie vor einen langen Atem.

Sehen Sie die Congregatio Jesu und die Loretos auf dem Weg zu einer immer stärkeren Kooperation und vielleicht sogar zu einer Vereinigung?

Sr. Mechtild Meckl: Schon im Jahr 1900 wurde in Rom ein Unionskapitel aller damaligen Generalate einberufen. Das wurde leider abrupt abgebrochen, ohne dass es zu einem greifbaren Ergebnis kam. Aber das Interesse an der Union lebte weiter, so dass es inzwischen die Vereinigung mehrerer Generalate gab. Derzeit haben wir nur noch zwei Institutszweige.

Momentan sind wir in einem ganz vertrauten Verhältnis zueinander. Der Sitz der beiden Generalate befindet sich in derselben Straße in Rom, so dass es sehr einfach ist, sich regelmäßig zu sehen und Informationen auszutauschen. Ich habe mich mit der Generaloberin, Sr. Mariann, regelmäßig getroffen, um Dinge durchzusprechen oder vorzubereiten. Die Kontakte an der Spitze sind gut, auch an der Basis pflegen einige Schwestern schon gute Kontakte zueinander. Was noch etwas fehlt, sind vertraute Kontakte auf der „mittleren Ebene“ der Provinzen.

Wir wollen von beiden Seiten auf mehr Gemeinsamkeit hinarbeiten. So könnten sich beispielsweise die Provinzoberinnen beider Zweige treffen, um sich auf dieser Ebene kennenzulernen und den Wunsch nach mehr Gemeinsamkeit in ihren Provinzen zu multiplizieren. Es sind verschiedene Vorschläge bei der Generalkongregation gemacht worden, wie wir noch besser zusammenwachsen können. Die Idee ist, dass wir wieder ein Institut werden. Maria Ward hat einen Orden gegründet, nicht zwei. Wir sind eine Gründung, und die beiden Zweige haben sich nur durch die geschichtliche Situation herauskristallisiert.

 

CJ-Schwestern mit Fahnen auf dem Petersplatz. Die Botschaft lautet


Mary Ward ist nun schon seit zwei Jahren Venerabilis. Kommt jetzt bald die Seligsprechung?

Sr. Mechtild Meckl: Der Status der Venerabilis war ein wichtiger Schritt. Er besagt ganz klar, dass Maria Ward von der Kirche rehabilitiert wurde. Wir und unser Postulator hatten die Hoffnung, dass dann ganz schnell der nächste Schritt kommt. Wir hatten ja einen Wunderprozess in der Diözese Bozen-Brixen abgeschlossen und die Unterlagen nach Rom gegeben.

Aber es gestaltet sich komplizierter. Es stellt sich derzeit die Frage, ob dieser Wunderprozess von der Kirche angenommen wird, weil es sich um einen historischen Wunderprozess aus dem Jahr 1936 handelt, zu dem medizinische Unterlagen durch den Krieg verloren gegangen sind. Unser Postulator hat derartige historische Wunderprozesse allerdings schon bestätigt bekommen. Wir werden sehen, wie es damit weitergeht.

Wir hängen in der katholischen Kirche noch immer sehr an einem sehr traditionellen Wunderverständnis. Dabei ist doch das eigentliche Wunder, dass die Congregatio Jesu nach 402 wechselvollen Jahren immer noch besteht und apostolisch wirkt. Wäre es nicht einmal an der Zeit, unsere Vorstellungen von einem „Wunder“ zu aktualisieren?

Sr. Mechtild Meckl: Es wird tatsächlich viel darüber gesprochen, dass unser traditionelles Wunderverständnis in der heutigen Zeit, vor allem in Deutschland, nur schwer nachvollziehbar ist. Aber momentan ist ein physisches Wunder de facto derzeit der einzige Weg zur Seligsprechung.
Zugleich sehe ich, wie bekannt Maria Ward ist. Die Seligsprechung wäre schön, aber das wichtigere war, dass Maria Ward von der Kirche rehabilitiert ist und als verehrungswürdig anerkannt wurde.  Interview: Gabriele Riffert

 
Drucken
Montag, den 26. Dezember 2011 um 00:00 Uhr

Nächster Halt: Bethlehem

70 Mitfeiernde bei der anderen Weihnachtsfeier in Frankfurt

Frankfurt/Main. Rund 70 Teilnehmer kamen zur "anderen Weihnachtsfeier", die Sr. Magdalena Winghofer CJ an Heiligabend um Mitternacht auf dem Haardtwaldplatz in Frankfurt-Niederrad angeboten hatte."Von hier aus möchte ich mich mit Ihnen heute Nacht auf eine Zeit- und Entdeckungsreise machen" erklärte Sr. Magdalena, die Pastoralreferentin in den beiden katholischen Frankfurter Pfarreien Mutter vom Guten Rat, Niederrad, und St. Mauritius - St. Johannes, Goldstein-Schwanheim ist.

Die Mitfeiernden hörten das Weihnachtsevangelium, Trompetenmusik und eine kurze Weihnachtserzählung. Beim Blick in die Krippe, die Sr. Magdalena vorbereitet hatte, schauten sie nacheinander in den dort liegenden Spiegel.

Sr. Magdalena hatte mit 30 bis 40 Personen gerechnet und freut sich, dass die Idee der anderen Weihnachtsfeier Anklang gefunden hat: "Es gibt Leute, die nicht so oft in die Kirche kommen, da müssen wir als Kirche eben zu den Menschen kommen."

 

Sr. Magdalena Winghofer CJ

 
Drucken
Sonntag, den 25. Dezember 2011 um 08:25 Uhr

Wie Maria Ward jetzt handeln würde

Schwestern der Congregatio Jesu nahmen Flüchtlingsjungen auf

Velbert-Langenberg.Das Haus Maria Frieden in Langenberg ist ein Kinder- und Jugendhilfezentrum, das von der Congregatio Jesu getragen wird. Sr. Elisabeth Freund, die im Sommer 2010 nach Langenberg kam und im Haus Maria Frieden arbeitet, schildert eine Anfangserfahrung, die etwas vom Geist der Weihnacht vermitteln kann:
„Die Kinder kommen in unsere Einrichtung mit vielen Verletzungen, Gebrochenheit und vielen Enttäuschungen. Gott sei Dank steckt aber in diesen Kindern trotz allem auch viel Mut, Hoffnung und Lebensfreude.


Gleich nach unserer ersten gemeinsamen Woche (in Langenberg) kam die Anfrage, ob wir Saman, einen 17-jährigen Flüchtling aus Afghanistan, bei uns ein Obdach geben könnten. Weil Saman keine Papiere, keine Krankkenversicherung und natürlich auch kein Geld hatte, wurde er in einem völlig erschöpften Zustand und schwer traumatisiert mit Hepatitis B und TBC aus dem Krankenhaus entlassen. Die Frage, wie Maria Ward jetzt handeln würde, war eigentlich schon die Antwort.
Und so lebte Saman vier Wochen bei uns, wurde aufgepäppelt, lernte die ersten deutschen Wörter, und wir versuchten, ihm nach schweren Alpträumen beizustehen. Jetzt lebt er in einem unserer Verselbstständigungs-Appartements auf unserem Gelände...

 
Drucken
Dienstag, den 13. Dezember 2011 um 14:15 Uhr

Gottes Zeichen im eigenen Leben entdecken

Seminar in Wien bringt Person Mary Wards näher

Wien. "Freiheit des Geistes und Gottesliebe" – unter diesem Titel entdeckten vom 1. bis 3. Dezember die Teilnehmer eines Seminars in Wien die Person und die Glaubenshaltung Mary Wards. Sr. Cosima Kiesner CJ referierte über die Mary Wards Beheimatung in der ignatianischen Spiritualität und motivierte die 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Gottes Zeichen in ihrem eigenen Leben zu entdecken. Das Bild unten zeigt sie während des Vortrags. Foto: CJ Wien


Sr. Cosima Kiesner bei ihrem Vortrag

 
Drucken
Dienstag, den 06. Dezember 2011 um 08:32 Uhr

Voller Vorfreude auf internationale Reisen

Interview mit Sr. Elisabeth Kampe CJ, neuer Generalassistentin der Congregatio Jesu, vor ihrer Übersiedelung nach Rom

Frage: Sr. Elisabeth, war es für Sie eigentlich eine große Überraschung, dass sie von der Generalkongregation in die Leitungsspitze der weltweiten Congregatio Jesu gewählt wurden?

Sr. Elisabeth Kampe: Von Seiten der Mitteleuropäischen Provinz waren sechs Schwestern bei der Generalkongregation in Loyola, weil wir die größte Provinz sind. Normalerweise sind es drei Schwestern von jeder Provinz.  Insofern war schon damit zu rechnen, dass eine von uns in der Generalleitung mitarbeitet, aber ich hatte nicht gedacht, dass es mich treffen würde.

Frage: Haben Sie diese Überraschung schon verdauen können?

Sr. Elisabeth Kampe: In Loyola bin ich ziemlich erschrocken, als ich während des Wahlverlaufs gemerkt habe, dass mein Name immer wieder und immer häufiger auf den Vorschlagslisten auftaucht. In dieser Zeit habe ich viel Zwiesprache mit Gott gehalten und gefragt, ob das der Weg Gottes für mich ist. Wenn aber in der Generalkongregation als dem höchsten Gremium des Ordens die Mehrzahl der Schwestern mich wählt, dann sehe ich darin einen Auftrag und eine Aufgabe, die mir anvertraut werden soll.

 

Sr. Elisabeth Kampe CJ

 

Ich werde ja eine der vier Assistentinnen sein, und es ist immer gut, wenn die vier Generalassistentinnen, die der Generaloberin zur Seite stehen, den weltweiten Orden vertreten. Teamfähigkeit ist eine wichtige Eigenschaft und für diese Aufgabe braucht es auch eine stabile Gesundheit. Man muss auch neugierig sein und dazu bereit, Neues kennenzulernen und in den verschiedensten Provinzen unserer Welt unterwegs sein wollen.

Frage: Freuen Sie sich auf Ihre internationalen Kolleginnen und auch darauf, dass Sie die Chance haben werden, viel zu reisen?

Sr. Elisabeth Kampe: Da kann ich klar mit Ja antworten. Ich bin schon immer gerne unterwegs gewesen und habe mich auch für andere Länder interessiert. Das wird eine Herausforderung sein, auf die ich mich freue.

Frage: Wissen Sie schon, wo Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen werden? Oder wird das erst vor Ort festgelegt, wenn Sie richtig anfangen?

Sr. Elisabeth Kampe: Das wird erst vor Ort festgelegt, wenn wir zusammen sind. Dann müssen wir einfach schauen. Es wird sicher regionale Zuständigkeiten geben. Doch das müssen wir gemeinsam mit der Generaloberin in Rom festlegen.

Was natürlich eine Schwierigkeit ist, dass unsere Fünfergruppe Sprachprobleme haben wird, weil eine der Mitschwestern gar kein Englisch spricht, sondern nur Spanisch und Italienisch. Wir anderen sprechen Englisch, aber kein Italienisch. Unsere Umgangssprache wird wohl Englisch werden. Das heißt, dass diese Mitschwester nun ganz schnell Englisch lernt. Jede von uns muss lernen.

Frage: Sie müssen vermutlich, wenn Sie neun Jahre in Rom leben werden, italienische Vokabeln und Grammatik pauken. Haben Sie schon einen Sprachkurs gekauft?

Sr. Elisabeth Kampe: Ich werde wieder damit anfangen, Italienisch zu lernen. Ein wenig spreche ich es schon, weil ich in der Mitteleuropäischen Provinz für unsere beiden Häuser in Südtirol zuständig war und dabei auch schon immer Mitschwestern erlebt habe, die Italienisch sprechen. Aber weiter als bis Lektion 3 bin ich bisher nicht gekommen. Dann waren einfach andere Aufgaben wichtiger und ich musste das Italienisch-Lernen wieder fallen lassen. Jetzt hoffe ich natürlich, weiter zu kommen.

Unsere Generaloberin Sr. Jane hat schon gesagt, dass sie möchte, dass wir alle gemeinsam einen Sprachkurs machen. Im täglichen Umgang werden wir zwar sicher auch einiges lernen, aber wir müssen uns schon in Italienisch einigermaßen verständigen können. Wenn ich daran denke, dass ich am Schreibtisch sitze und dann kommt ein Anruf. Ich muss dann irgendwie mit dem Anrufer klar kommen. Ich muss verstehen, worum es geht und dann dem Anrufer entweder selbst eine Antwort geben können oder ihn weiter vermitteln.

Frage: Wie werden Sie in Rom untergebracht sein? Haben Sie ein eigenes Zimmer oder gar eine eigene Wohnung?

Sr. Elisabeth Kampe: Das Generalat ist in der Via Nomentana in Rom. Das Haus ist relativ groß, mit hohen Räumen, weil es früher einmal eine Schule war. Jede Schwester hat dort ein Büro und ein Schlafzimmer zur Verfügung.

Frage: Wie viele Dinge müssen Sie beim Umzug über den Alpenhauptkamm schaffen? Reicht ein Kombi oder wird es ein ganzer Lastwagen sein?

Sr. Elisabeth Kampe: Ich denke mal, ein gut beladener Kleintransporter, ein Pulmino, wie die Italiener sagen, reicht aus. Ich versuche, noch möglichst viele Sachen zu verschenken, manches auch wegzuwerfen, damit ich wirklich nur das mitnehme, wovon ich glaube, dass ich es in den nächsten neun Jahren brauchen kann oder was mir etwas bedeutet. Meine Mutter hat mir zum Beispiel vor vielen Jahren einen Papierkorb aus Peddigrohr geflochten, den nehme ich natürlich mit.

Ich möchte aber insgesamt mit wenig Gepäck nach Rom ziehen, weil ich weiß, dass die anderen drei Generalassistentinnen je nur mit einem Koffer und einer Tasche anreisen. Sie kommen aus Indien, Korea und Chile – mehr als das Fluggepäck können meine Mitschwestern deshalb nicht mitnehmen.

Interview: Gabriele Riffert

 
Drucken
Dienstag, den 22. November 2011 um 18:25 Uhr

Auf historischem Boden

Schwestern der Congregatio Jesu erkunden die Reste des Paradeiserhauses

München. „Jetzt stehen wir auf dem Pflaster, das schon damals von Maria Ward betreten wurde“, freute sich Angela Fries, die Provinzoberin der Mitteleuropäischen Provinz der Congregatio Jesu. Der ignatianische Orden war zwischen 1609 und 1611 von Maria Ward gegründet worden, die mit München eng verbunden war. So gründete Maria Ward im so genannten Paradeiserhaus an der Weinstraße die erste Mädchenschule der bayerischen Landeshauptstadt. 1627 hatte ihr Kurfürst Maximilian dazu das Haus übertragen. 1691 erfolgte auf dem Terrain die Grundsteinlegung des späteren Institutsbaus, der vom  Barockbaumeister Enrico Zuccali errichtet und später mit einem Deckenfresko der Gebrüder Asam ausgestattet wurde. Das Fresko zeigte die Himmelfahrt Mariens. Das Gebäude wurde wie der Rest des Areals am heutigen Marienhof im Zentrum Münchens bei den Luftangriffen am 7. Januar 1945 völlig zerstört.

 

Im Infocenter am Marienhof

 

Durch die Vorbereitungen des Baus der zweiten S-Bahn-Stammstrecke wird das Gelände auch archäologisch untersucht. Auf dem 6600 Quadratmeter großen Gelände befindet sich das größte zusammenhängende Baudenkmal der Münchner Altstadt. Die Gebäude darauf, ihre Besitzer und ihre Nutzung lassen sich aufgrund vorhandener schriftlicher Quellen bis ins Jahr 1380 zurückverfolgen. Als das Grabungsteam den Keller des Paradeiserhauses erreicht hatte, luden die Projektleitung der Deutschen Bahn und die Vertreter des Büros für Archäologie ReVe die Schwestern zu einer Besichtigung der Ausgrabungen ein.

 

Schwestern auf der Baustelle am Marienhof

25 Ordensfrauen der Congregatio Jesu folgten am 21. November gerne dieser Einladung. Das Zeitfenster für das Betreten des historischen Bodens ist von begrenzter Dauer, denn nach der archäologischen Auswertung werden die Baumaßnahmen fortgesetzt. Bauleiter Christian Behrer kann sich indes vorstellen, dass im späteren S-Bahnhof "Marienhof" Schautafeln zu sehen sein könnten, die auf das Paradeisehaus und die Bedeutung Maria Wards hinweisen. (Text und Bilder: Gabriele Riffert)

 

Schwestern stehen auf dem selben Pflaster wie Mary Ward

 

 
«StartZurück12345678910WeiterEnde»

Seite 1 von 19
www.congregatiojesu.de - Congregatio Jesu - Planegger Straße 4 - 81241 München