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Donnerstag, den 25. August 2011 um 07:29 Uhr

Überall interessante Diskussionen

Sr. Birgit Stollhoff im Interview mit dem WDR-Magazin "Fünkchen" zu ihren Erfahrungen als Ordensfrau und Jahrespraktikantin

Sr. Birgit Stollhoff war Jahrespraktikantin beim WDR in Köln. Sie hat in dieser Zeit für die Hörfunk-Redaktion Religion, Theologie und Kirche gearbeitet. Wir dokumentieren das Interview, das Ute Riechert vom WDR mit Sr. Birgit geführt hat.

Fünkchen: Sr. Birgit, wie begegnen Ihnen die Leute im WDR? Sie haben als Ordensfrau einen ziemlichen Exoten-Status im Sender.
Sr. Birgit: Klar, als Schwester ist man inzwischen überall Exot. Aber manchmal fühle ich mich in der Redaktion eher als Juristin denn als Exot oder Ordensfrau. Die Arbeit macht sehr viel Spaß und alle sind mir sehr freundlich begegnet.

 

Sr. Birgit mir Kopfhörern


F.: Haben Sie im Praktikum eigene Beiträge gemacht?
Sr. Birgit: Ja, mehrere Drei-Minüter. Zum Beispiel über das evangelische Gottesdienst-Coaching. Da geht es um das Verhalten des Pfarrers beim Gottesdienst, etwa: Schaut er versehentlich ein bestimmtes Paar an, wenn er für unglückliche Eheleute betet? So was kann peinlich werden.

F.: Was waren Ihre schönsten Erlebnisse während des Praktikums?
Sr. Birgit: Schön ist die große Offenheit von allen hier. Der WDR ist sehr viel christlicher und katholischer, als er zugibt (lacht). Ob ich nun mit dem Pförtner, mit dem Techniker, oder freien Autoren gesprochen habe – ich hatte überall interessante Diskussionen.

F.: Sie hatten eine attraktive weltliche Karriere vor sich. Warum die Entscheidung für den Orden?
Sr. Birgit: Manche haben so ein konkretes Berufungserlebnis. Das hatte ich nicht. Ich habe mich erst mit 16 taufen lassen. Gerade in der Phase der Berufstätigkeit war es dann gut, dass ich gemerkt habe: Ich engagiere mich zwar in der Kirche, ich gehe sonntags in die Kirche – aber das ist mir zu wenig. Es mussten schon 100 Prozent sein. Weniger als ein ganzes Leben reicht wohl nicht. Das Ordensleben ist heute für mich eine Form von sehr emanzipiertem Frauenleben in der Kirche. Jedenfalls ermöglicht mein Orden das.

F.: Was ist denn das Besondere an der Congregatio Jesu?
Sr. Birgit: Ich brauchte einen Orden, der mich mit meinem Temperament und dem, was ich kann und was ich gerne mache, eher herausfordert. Und dann war da unsere Gründerin Mary Ward. Die hat schon 1614 gesagt: Ihr Frauen sollt nicht Zuschauer dessen sein, was mit Euch passiert, sondern Euer Leben selbst in die Hand nehmen. Das hat mir imponiert. Heute würde sie statt „Frauen“ vielleicht „Sozialhilfeempfänger“ sagen. In unserer Spiritualität gibt es einen wichtigen Satz: Gott begegnet uns in der Wirklichkeit. Deswegen werden wir im Noviziat in verschiedene Praktika geschickt. Ich habe im Gefängnis gearbeitet, im Kinderkrankenhaus und bei der Filmfirma der Jesuiten.

F.: Wie entscheidet man sich schließlich?
Sr. Birgit: Silvester 2000 habe ich zum ersten Mal daran gedacht, einzutreten. Dann hat es noch acht Jahre gedauert. 2008 dachte ich, mit 30 solltest du eigentlich wissen, wo du hingehörst. Und wenn‘s schief geht, kannst du dann immer noch austreten und Kinder kriegen.

F.: Hat Familie nie eine Rolle gespielt?
Sr. Birgit: Der Orden ist weder WG noch Familie. Als Ordensmensch hat man sich ja auch an eine Gemeinschaft gebunden, Ich sage immer: Ich bin jung, ledig und kinderlos – aber nicht ungebunden.

F.: Wie geht’s weiter nach dem Praktikum?
Sr. Birgit: Ich werde Assistentin der Geschäftsführung der Bernward Mediengesellschaft, die machen die Öffentlichkeitsarbeit des Bistums Hildesheim. Für mich sehr schön, dass ich in diesem Bereich bleiben kann. Die Frage ist doch: Wie sprach- und kommunikationsfähig ist die Kirche eigentlich heute noch?
Und das habe ich beim WDR gelernt: Wenn man fromme Botschaften verkündet, dann geht man den Leuten eher auf den Geist.

Die Fragen stellte Ute Riechert von „WDR-Fünkchen“.

 
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