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Maria-Ward-Schwestern: Kampf um die Anerkennung
von M. Cosima Kiesner CJ
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Harte Schulung, exzellente Ausbildung, kämpferischer Einsatz, hohe Verantwortlichkeit, strenger Gehorsam, persönliche Flexibilität, elitäre Auswahl - solche Begriffe umreißen in etwas das Bild vom Jesuiten auch heute noch in unserer Gesellschaft. Kein Wunder, dass am Beginn des 17. Jahrhunderts - in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, der Unterdrückung und Verfolgung der Katholiken in England, der großen Sorge um die glaubenszerstörerischen Gedanken der Aufklärung - die Angst vor der ungeheuerlichen Anmaßung einer Frau siegte, einen weiblichen Zweig der Jesuiten mit eben diesen Kriterien des Arbeitens und der Spiritualität gründen zu wollen. Das Alte und Bewährte stützen und nur ja keine Neuerungen zulassen, es könnten sonst noch weitere treue Gläubige die katholische Kirche verlassen. Vor solchen Gedanken fanden die Bitten Maria Wards um Bestätigung ihres Instituts keine Gnade. Schließlich handelte es sich ja um Frauen, die von Glück sagen konnten, wenn sie es schafften, ihre eigene Seele zu retten. Zur Ausbreitung des Glaubens, zur geistlichen Begleitung der Seelen, zum Kampf gegen die Feinde der Kirche aber waren Frauen doch nicht zu gebrauchen! Diese Herabsetzung der Wirkungsmöglichkeiten von Frauen spiegelt sich auch in den Formulierungen der Bulle Papst Urbans VIII. wieder, der die "Jesuitinnen" 1631 verbot: "Ohne Rücksicht auf die Klausurvorschriften laufen sie nach Belieben herum, und unter dem Schein, das Heil der Seelen zu fördern, haben sie den Versuch unternommen, sich in vielen anderen Werken zu betätigen, die höchst ungeziemend sind für die Schwäche ihres Geschlechts und ihres Charakters, für weibliche Bescheidenheit und vor allem für jungfräuliche Zurückhaltung..." Das Ansinnen Maria Wards sprengte die damaligen Denkmuster und Verstehenshorizonte. Was den Jesuiten an besonderen Formen des Ordenslebens zugestanden wurde - wenn es ihnen auch Kritik und Feindschaft aus den kirchlichen Reihen einbrachte - war für Frauen undenkbar.
Das Werk Gottes
Es gibt uns dennoch - die Maria-Ward-Schwestern - und nicht, weil sich Maria Ward den Forderungen nach Klausur und männlicher Oberaufsicht fügte, sondern weil ihr Einsatz für eine solche Frauengemeinschaft auf dem drängenden Ruf Gottes und einer klaren Erkenntnis seines Willens gründete. Es ging nicht um ihre eigene Idee, sondern um einen ihr aufgetragenen Dienst. Diesen Dienst vollzog sie in Treue, trotz Anfeindungen und Hindernissen. Dabei fügte sie sich den kirchlichen Bescheiden, ohne durch Kompromisse ihren Auftrag zu verfälschen.
Das gute Beispiel
Kurfürst Maximilian erlaubte Maria Ward und ihren Gefährtinnen, sich um die Bildung der Münchener Mädchen zu kümmern. Damit konnten sie für das Reich Gottes tätig werden, so wie es die Jesuiten mit ihren Kollegien und Universitäten bezweckten, auch wenn sie nicht als Ordensfrauen den Schutz der Kirche genießen durften. Ganz im Sinne des Ignatius widmeten sie sich der Befähigung junger Frauen, in den Familien den Glauben wach zu halten und weiterzuvermitteln, also in der Heranbildung von Multiplikatoren in der vorrangigen Vermittlungsstelle des Glaubens, nämlich bei den Müttern. Deswegen unterrichteten sie nicht nur die Fräulein aus der besseren höfischen und großbürgerlichen Schicht, sondern bemühten sich gleichzeitig um die Ausbildung von Waisen. Die Arbeit, die sie leisteten, wurde anerkannt. Es schlossen sich weitere junge Frauen der Gemeinschaft trotz ihres unsicheren Staus an und dreißig Jahre später konnte in Augsburg eine Schule errichtet werden. Das gute Beispiel, sowohl in der Lebensführung der Gemeinschaft als auch in der Tätigkeit, führte nach weiteren zwanzig Jahren zur bischöflichen Anerkennung der Schwestern als geistliche Gemeinschaft in der Spiritualität des heiligen Ignatius von Loyola. Die innere Sicherheit der Gefährtinnen, dass Maria Wards Bestreben nach einer weiblichen ignatianischen Ordensgemeinschaft von Gott stammt, hatte sie fünfzig Jahre lang in Unsicherheit ausharren lassen, bis endlich die Anerkennung durch den Augsburger Erzbischof Johann Christoph von Freiberg ihnen eine erste äußere Sicherheit gab.
Neue Vorwürfe
Was war diese bischöfliche Anerkennung jedoch im Vergleich zu dem Großen, das Maria Ward angezielt hatte, auch wenn weitere bischöfliche Anerkennungen in München und Salzburg folgten? Die Gunst der Bischöfe erlaubte den Englischen Fräulein, wie sie im deutschen Sprachraum genannte wurden, als Ordensgemeinschaft ohne Klausur mit dem Ziel der Glaubensverteidigung und -vermehrung, und deshalb in apostolischer Tätigkeit zu leben. Sie akzeptierten den von den Jesuiten übernommenen Führungsstil durch eine Oberstvorsteherin, die Entscheidungen über verschiedene Häuser und über die Versetzung von Schwestern fällen konnte. Durch die Ausbreitung des Instituts kam es 1742 zu neuen Auseinandersetzungen, da ein Nachfolger des Augsburger Bischofs mit der institutsinternen Wahl der neuen Generalleiterin nicht einverstanden war. Die Ängste um eine Einschränkung der bischöflichen Macht und umeine zu freie und selbstbewusste, nicht von Männern gelenkte Ordensführung des Instituts führten zu einer Anklage in Rom. Der Vorwurf lautete: Das Institut sei die von Papst Urban VIII. verbotene Gemeinschaft der Jesuitinnen. Erfreulicherweise stellte sich Papst Benedikt XIV. hinter die Schwestern. Er bestätigte das Institut, akzeptierte seine nichtklausurierte Struktur und befugte die Generaloberin, Visitationen durchzuführen und Versetzungen vorzunehmen. Die Jurisdiktionsgewalt übergab er den Bischöfen. Um aber die Bulle Urbans VIII. nicht zu übergehen, erklärte er, dass das Institut nicht mit den verbotenen Jesuitinnen gleichzusetzen sei, deren Verbot weiterhin aufrecht erhalten werde. Er begründete es damit, dass Maria Ward nicht als Gründerin des bestehenden Instituts anzusehen sei und auch nicht als solche verehrt werden dürfe. Der Gewinn der ersten päpstlichen Anerkennung bedeutete so für uns den Verzicht auf die große Initiatorin Maria Ward.
Gewundene Wege
Es dauerte weitere hundert Jahre, bis das Institut als eine Gemeinschaft päpstlichen Rechts approbiert wurde und seine Unabhängigkeit von der bischöflichen Gunst erlangte. Inzwischen existierten insgesamt 128 Niederlassungen in Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn, England, Irland, den USA, Indien, Rumänien, Australien und Südafrika, allerdings durch die geschichtlichen Bedingungen in fünf Generalate gegliedert, von denen sich Mitte des 20. Jahrhunderts bereits drei vereinigten. Gespräche über ein weiteres Zusammenwachsen der noch bestehenden Zweige sind im Gange. Dank der Quellenstudien eines Theologen geriet Maria Ward wieder in das Blickfeld und ihre Rolle bei der Entstehung des Instituts wurde neu überdacht. Bemühungen um ihre Anerkennung begannen, die 1909 von Papst Pius X. genehmigt wurde. Das Institut bekam seine Gründerin wieder. Die Schwierigkeiten bei der Kanonisierung jedoch dauern an. Das bisher letzte große Ereignis unserer Institutsgeschichte fand 1978 statt, als nun offiziell die Konstitutionen für das Institut approbiert wurden - rund 350 Jahre nach den Bemühungen Maria Wards um die Bestätigung ihrer Ordensgemeinschaft nach den Regeln der Jesuiten im Zuge der Aufforderung des Zweiten Vatikanums, zu den ursprünglichen Charismen der Ordensgründer zurückzukehren. Endlich dürfen wir die Spiritualität öffentlich leben, die unsere Gemeinschaft von Anfang an prägte und die in allen Schwierigkeiten wach gehalten wurde.
"Das Gleiche der Gesellschaft"
Was ist an dieser Spiritualität, dass Maria Ward und ihre Gefährtinnen durch die Jahrhunderte hindurch nicht von ihr abrücken wollten? Maria Ward hat als englische Adelige in der Katholikenverfolgung ihres Heimatlandes die Dynamik dieser Spiritualität erlebt. Jesuitenpatres nahmen viele Gefahren auf sich, um den bedrängten Gläubigen zur Seite zur Seite zu stehen, und scheuten nicht das Martyrium. Maria Wards Religiosität war von der Unterscheidung der Geister geprägt, die ihren eigenen Weg ins Ordensleben klärte und die ihr, wenn ihr auch längere Phasen des Suchens und Ringens aufgegeben waren, die unerschütterliche Sicherheit brachte, dass die Regel, nach der sie und ihre Gefährtinnen leben sollten, die der Jesuiten war. Hinter die 1611 in einer Vision erkannte Aufgabe "Nimm das Gleiche der Gesellschaft" konnte sie nicht mehr zurück. Nur eine Spiritualität, die wie die jesuitische geprägt ist von wachsamer Wahrnehmung der eigenen Regungen, von einem verantwortungsvollen Gehorsam, von einem ständigen Mühen um das dem Willen Gottes angemessenere Leben und Wirken, von einer tiefen Liebe zur Kirche, die der Garant für die Weitergabe der christlichen Botschaft durch die Jahrtausende ist, und von einer engen Vertrautheit mit Gott, befähigte die Schwestern, die Schwierigkeiten zu ertragen. Diese Spiritualität lädt uns auch heute ein, zu reifen Menschen heranzuwachsen, die sich mit Eifer dem Dienst am Reich Gottes widmen.
Erschien in den Informationen der Süddeutschen Jesuiten "An unsere Freunde" April 2000/2.
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